Mein Auto, Dein Auto, unser Auto?

CarsharingBlog 8. Oktober 2018 0
Mein Auto, Dein Auto, unser Auto?

Ein Gastbeitrag zum Carsharing

Mein erstes Auto – damals 1991 – war ein Opel Kadett E. Die Dinger sind mittlerweile alle verrostet und somit völlig aus dem Straßenbild verschwunden. Egal. Auf jeden Fall war ich damals stolz wie Oskar. 18 Jahre jung und der König norddeutscher Straßen. Ein tolles Gefühl von Freiheit. Fahren wann, wo und (fast) wie ich wollte. Sportauspuff, Breitreifen, Spoiler und 60 PS. Ich glaube einige Nachbarn haben mich damals echt für meine Fahrweise gehasst. Mit einem zeitlichen Abstand von 27 Jahren, in denen mein Fahrverhalten doch deutlich ruhiger und angepasster wurde, muss ich gestehen: sie hatten Recht! Man fährt nicht mit quietschenden Reifen Rennen durch Wohngebiete! Und das auch noch gegen einen deutlich überlegenen 3er BMW!

Nun denn, die wilden Zeiten sind vorbei. Ich bin jetzt 45 und lebe nach einigen Umzügen wieder in dieser langweiligen Kleinstadt im platten Norddeutschland. Auf den Kadett folgten noch einige hochwertige Fabrikate aus München, Ingolstadt und sogar Zuffenhausen. Derzeit fahre ich einen Ford Focus Econetic – ein echter Spritsparer und mittlerweile mein 14. eigenes Auto. Ein vernünftiges, unauffälliges Gefährt und beim besten Willen absolut kein Statussymbol. Allerdings ein Diesel. Vor über drei Jahren war das aber eher noch kein Problem und ich hätte mir damals beim Kauf sicher nicht träumen lassen, dass ich irgendwann mal trotz Euro5 vom Befahren einiger Straßen in deutschen Großstädten ausgeschlossen werde. Ich will mich jetzt in diesem Artikel auch wirklich nicht weiter zur Diesel-Affäre einlassen. Das würde zu weit führen und ich müsste mich aufregen und das ist nicht gut für den Blutdruck.

Die Vernunft hat gesiegt

Damals in den 1990ern war ein Auto etwas individuelles. Man besorgte sich individuelle Sitzbezüge, schicke Fußmatten und klebte sich tolle Aufkleber aufs Heck: „Opel fahn is wie wennse fliechst!“. Beim Rentner war die praktische Klopapierrolle mit selbstgehäkeltem Überzug auf der Heckablage Pflicht. Öffentliche Verkehrsmittel waren was für Leute ohne Führerschein und Ökos.

Die Zeiten haben sich geändert. Wir sind umweltbewusst und selbst des „Deutschen liebstes Kind“ läuft mittlerweile auch ohne Sprit. Und wir haben noch nicht mal mehr ein Problem damit, uns ein Auto zu teilen. E-Mobilität und Carsharing sind sowas von auf dem Vormarsch.

E-Carsharing

Bei uns im Landkreis hat man sogar nun beides kombiniert – zum E-Carsharing. Immerhin schon vier E-Autos können gegen Gebühr untereinander geteilt werden. Das klappt natürlich noch nicht kostendeckend und wird deshalb vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative gefördert. Irgendwie auch logisch. Stellen wir uns mal vor, jeder würde demnächst statt einer Spritschleuder ein eigenes E-Auto fahren. Die Elektrizität muss ja auch irgendwo herkommen. Auch bei uns stehen zwar schon überall Windräder rum und Solarparks sieht man auch immer häufiger, aber wird das am Ende für einige Millionen elektrische Autos reichen? Ohne Sharing wird es wohl nicht gehen.

Hauptsächlich wird es in der Zukunft darum gehen, mehr Menschen in ein Fahrzeug bekommen und ein Auto so effizienter und umweltschonender zu nutzen. Ich stelle mir das im Idealfall dann so vor: um von A nach B zu gelangen, zücke ich mein Smartphone und starte eine Mobility-App. Da gebe ich dann mein Wunschziel ein. Kurze Zeit später hält ein autonom und natürlich elektrisch fahrender Kleinbus fast direkt vor meinen Füßen. Darin sitzen schon einige Leute und während der Fahrt zu meinem Ziel wird fleißig aus- und zugestiegen. Wenn ich dann selbst aussteige, bucht die App automatisch eine entsprechende Kilometerpauschale vom Konto ab. Für die Strecke hätte ich mit meinem jetzigen Auto mehr als doppelt soviel bezahlt. Außerdem hätte ich mich auf den Verkehr konzentrieren müssen und während der Fahrt natürlich nicht lesen können. Neue Leute lernt man natürlich auch eher selten kennen, wenn man allein im Auto durch die Gegend fährt.

Mein Fazit   

Bis zur perfekten umweltfreundlichen Mobilität ist es noch ein weiter Weg. Hier im ländlichen Raum wird es ähnlich wie beim flächendeckenden Glasfaserausbau auch sicher noch etwas länger dauern als in Ballungsräumen. Aber ein vielversprechender Anfang ist gemacht. Auch ich sehe auf meinen täglichen Fahrten immer mehr E-Fahrzeuge, E-Tankstellen und sogar ab und zu mal ein Carsharing-Fahrzeug.

Und die Jugend von heute legt vor allem in Großstädten keinen Wert mehr auf individuelle Vehikel. Es kommt vielmehr darauf an, möglichst preiswert zu allen möglichen und unmöglichen Zeiten von A nach B zu kommen. Die Fahrzeit wird dabei lieber mit der Pflege der sozialen Netzwerke genutzt als mit dem Hören von lauter Musik und dem Rauchen von ziemlich schädlichen Zigaretten. So wie in den 1990ern.

Wenn ich mir bald auch noch das Rauchen im Auto verkneifen muss, kann ich ja auch gleich ganz damit aufhören. Keine schlechte Idee und vor allem gut für meine Gesundheit.

Werbung

Comments are closed.